Was: 30 Jahre Inklusive Beratung, Bildung und Begleitung für Schülerinnen und Schüler mit Sehbehinderung oder Blindheit

Wann: 24. Oktober 2014 von 14:00 bis 18:00

Wo: Odilien-Institut, Leonhardstraße 130

Vor 30 Jahren wurden in der Steiermark erstmals im Rahmen eines Schulversuches Kinder mit Sehbehinderung in ihre wohnortnahe Schule integriert. Unser Bundesland gehört damit zu den Pionieren in diesem Fachbereich.

Waren es anfangs Kinder mit Sehbehinderung, denen im Rahmen eines Schulversuches ein wohnortnaher Schulbesuches ermöglicht wurde, stand einige Jahre später auch blinden Kindern diese Möglichkeit offen.
Ausschlaggebend für das Gelingen dieses Vorhabens waren die enge Zusammenarbeit mit den Eltern und den betroffenen Schulen und die intensive Unterstützung durch die Schulbehörde.

Was heute selbstverständlich ist, musste Schritt für Schritt erarbeitet werden: Schulbücher in unterschiedlichen Formaten vom Großdruck bis zur digitalen Ausgabe, die Anschaffung und der Einsatz der Computers im Schulalltag, die Sensibilisierung für Angelegenheiten sehbehinderter und blinder Menschen im Umfeld des Kindes, die Fortbildung der Klassenlehrer/innen in diesem Bereich – aber auch die permanente persönliche Weiterbildung der Sehbehindert- und Blindenlehrer/innen, der Aufbau eines Vernetzungssystems vom Kindergarten bis zum Augenarzt, Sensibilisierung der Schulerhalter für barrierefreie Schulräume usw.

Jetzt steht wieder ein Wechsel an: Es muss der Schritt von der Integration zur Inklusion gemacht werden.

Dieser Wandel ist auch Inhalt des Festaktes (Programm des Festaktes)

Anlässlich des 30ig jährigen Jubiläums entstanden:
Informationsbroschüre als pdf – mit Bildern,
Informationsbroschüre im Wordformat ohne Bilder;
Bilder unserer Arbeit in der Integration als PDF

Unsere Feier

30 Jahre Integration – eine festliche Momentaufnahme…

 

Unser Mehrzwecksaal im Odilien-Institut – heute ein wahrlich festlicher Saal – bietet einen bunten Strauß an sensorischen Eindrücken und ist bis auf den letzten Platz besetzt…

 

Drei „Ehemalige“ und ein „aktiv“ von uns betreuter Schüler führen wortgewandt durchs Programm und zeichnen für die musikalische Gestaltung dieses Abends verantwortlich.

Das Programm für die zwei Stunden ist vielfältig – Augenblicke des dankbaren Zurückblickens und der Ist-Stand-Betrachtung wechseln einander ab:
Die Grußworte der Ehrengäste, Mag. Haberer, Dr. Zollneritsch und LAg Barbara Riener sind eine bunte Mischung aus geschichtlichem Rückblick, Aufruf zum Überdenken des Bildungsauftrages und eine wertschätzender Blick auf unseren Schulstandort von politischer Seite her.

Meine Kollegin Mag.a Birgit Schloffer eröffnet den Reigen der Referate mit einem Blick auf die Entwicklung der integrativen mobilen Betreuung von Kindern mit Sehbehinderung oder Blindheit im Wandel der vergangenen 30 Jahre.
Im Referat von LSI Sabine Haucinger wird die Forderung der Schulpolitik nach einer Inklusion aller Kinder klar und deutlich transportiert – Vielfalt als Chance wahrzunehmen ist ein Auftrag für alle!
So schließt sich der von DSA Mag. Dr. Margarita Edler präsentierte Aktionsplan des Landes Steiermark zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention inhaltlich nahtlos an.
Ein inneres Lächeln erfüllt mich ob der großen Worte und Pläne, da mir wieder einmal bewusst wird, dass wir mit unserer Tätigkeit als mobile Lehrerinnen und Lehrer des Zentrums für Inklusion- und Sonderpädagogik (ZIS) Odilien-Institut tagtäglich und seit Jahren schon in diese Richtung unterwegs sind!

Viele Bilder an den Wänden unseres Festsaales zeugen davon:
Kinder mit Sehbehinderung oder Blindheit, wie sie mit ihren Hilfsmitteln inmitten ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler lernen, spielen, Kinder, die auf dem Weg sind, ihre Sinne zu schulen und zu sensibilisieren, auf visuelle, akustische oder taktile Angebote reagieren – junge Menschen, die in der Bandbreite ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten auch mit unserer Unterstützung tagtäglich ein Stück wachsen – und somit den Bildungsauftrag der Schule von heute Schritt für Schritt „entgegenwachsen“.
Es sind Bilder von Menschen mit besonderen Bedürfnissen, die wir als Lehrerinnen und Lehrer wahrnehmen wollen, die für uns Herausforderung und Auftrag sind, um jene Begabungen zu entfalten, die in ihnen grundgelegt sind, die entdeckt und aufgedeckt werden wollen.

Natürlich darf an einem solchen Tag ein Blick auf unsere Chefin, Schulleiterin Agnes Nimmrichter, nicht fehlen: Sie bringt unsere Freude darüber zum Ausdruck, dass fast alle Pionierinnen der Integration heute anwesend sind. Auch die Eltern der „ersten Stunde“ sind unserer Einladung gefolgt.
Frau Nimmrichter zeichnet aber auch ganz besonders dafür verantwortlich, dass wir als Sehbehinderten- und Blindenlehrer/innen in einem so wunderbaren Arbeitsklima arbeiten können. Als kleines Dankeschön zum „Runden“ überreichen wir ihr einen Laserpointer für besondere Pointen in ihrer weiteren Tätigkeit!
Die Informationsbroschüre, die wir anlässlich unseres „runden“ Geburtstages herausgegeben haben, bietet ergänzend dazu für alle Interessierten Informationen, wie wir unsere Kompetenzen vor Ort an den vielen steirischen Schulen einbringen – im heurigen Schuljahr unterstützen und beraten wir 158 Kinder/Jugendliche mit Sehbehinderung oder Blindheit.

 

Mit dem musikalischen Ausklang unserer Feier folgt die Einladung des Landes Steiermark in die Burg, wo wir bei kulinarischen Köstlichkeiten bis spät in die Nacht feiern, erzählen, über die eine oder andere längst vergangene Episode lachen –  und schließlich dankbar zurückblicken auf ein gelungenes Fest!

Maria Nagel

 

 

Informationsbroschüre anlässlich 30 Jahre Integration von Schülerinnen und Schülern mit Sehbehinderung oder Blindheit in der Steiermark

 

Inklusive Beratung Bildung Begleitung
für Schülerinnen und Schüler
mit Sehbehinderung oder Blindheit

 

Zentrum für Inklusiv- und Sonderpädagogik
für Schülerinnen und Schüler
mit Sehbehinderung oder Blindheit
am Odilien-Institut

 

Inhalt

1.   Vorwort: Agnes Nimmrichter
2.   Wege zu und mit uns: Eva Leitner, Claudia Schobé
3.   Schulbesuch mit anderem Sehen: Franz Nagel, Angelika Schwarz
4.   Schülerinnen und Schüler mit Blindheit: Marija Gschaider-Kraner, Birgit Schloffer
5.   Ich spreche mit meinen Augen – und arbeite mit Nasenpunkt und Taster: Maria Nagel
6.   Cerebrale Visuelle Informationsverarbeitungsstörung: Gerti Jaritz, Birgit Schloffer
7.   Beratung, Bildung, Begleitung: Eva Leitner, Claudia Schobé

1. Vorwort

Sehen und gesehen werden hat in unserer visualisierten Welt eine sehr große Bedeutung. Für jene Menschen, denen der optische Informationskanal nicht oder nur teilweise zur Verfügung steht, stellt das im Alltag eine besondere Herausforderung dar. Im Kontext der Schule bedeutet dies, dass beim Erwerb von Bildungsinhalten auch individuelle Lernzugänge und Rahmenbedingungen erforderlich sind.
Kinder und Jugendliche mit einer Sehbehinderung oder mit Blindheit werden in der Steiermark seit 1984 integrativ beschult. Somit besteht die Möglichkeit des Besuches
der wohnortnahen Schule – vom Schuleintritt bis gegebenenfalls zur Matura. Durch eine professionelle Betreuung und Begleitung von speziell ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern werden Vorurteile und Berührungsängste gegenüber Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit abgebaut. Dieser Weg der Inklusion schafft Voraussetzungen für ein lebenslanges voneinander und miteinander Lernen.

Bei Interesse zum Weiterlesen:
Broschüre als pdf – mit Bildern,
Broschüre im Wordformat ohne Bilder,
Bilder unserer Arbeit in der Integration als PDF